Den Weg finden
Nach der Ernte kam eine Bäuerin mit krummem Rücken zu Rurech und sprach:
“Wo soll ich nur mein Getreide lagern, die Käfer sind überall?” -
Da sprach Rurech zu der Bäuerin: “Die Käfer sind Teil der Schönheit,
lass ihnen ihren Teil und sie werden dir den deinen lassen.”
- Heilige Rollen, 109. Draijsch, Original in Zeichen und Ziffern aus dem altem Alaani, geglättete garethische Übersetzung
Savertineran, ein Wanderpriester von Rur und Gror: Wie Du Dich sicherlich erinnerst, hatte ich die 2,4 und 16 befragt, wie wir Tuzak würden verlassen können, und ermittelte den 109. Draijsch.
Ishajid, seine Schülerin: Der 109. Draijsch wurde doch bereits von Firnbold dem Matrosen geographisch gedeutet.
S: Das stimmt. Vor etwa zehn Jahren wies Firnbold den Zeichen des Draijsches auf Basis der Ziffern die Werte 1 bis 4 zu und errechnete einen Kurs, der von Khunchom nach Sinoda führte. Andajida mit dem gelben Schwert hatte ihm zwar vorgeworfen, teleologisch gerechnet zu haben, aber die Bedeutung seiner Interpretation ist nicht von der Hand zu weisen.
I: Denn schließlich begann die Rückeroberung Maraskans von Khunchom aus in Sinoda.
S: Sehr richtig. Du hörst Dajin, Sibel und Ta hoffentlich immer gut zu, wenn sie ihre Geschichten von der ersten Landung am Strand von Omajin erzählen.
I: Oh ja, sie erzählen mir auch immer viel von Tienjin, deinem Bruder.
S: Ja, das tun sie. Manchmal träume ich dann von ihm und seinen Kämpfen – und seiner Wiedergeburt. – Doch zurück zum Draijsch. Die Heiligen Rollen enthüllen ihren Sinn stets zu ihrer Zeit und bisweilen hat derselbe Draijsch zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Bedeutung.
I: Und für uns in Tuzak war er ein Hinweis auf Nedime, die vor den Äthrajins in der Magierakademie Köchin war. Der krumme Rücken und ihre Unsicherheit über ihren Platz in der Schönheit waren Hinweise auf sie selbst und darauf, dass sie Teil der Schönheit geblieben ist. Sie hielt sich an die Weisung der Tetrarchen: Biegt euch, doch brecht nicht, und schnellt zurück wie das scharfe Gras!
S: Sehr gut, Ishayid! Hätten wir dich nur gleich gefragt. Zunächst hatten wir Schwierigkeiten, den Draijsch überhaupt zu entschlüsseln. Ein Kopierfehler in meiner Ausgabe ließ den Text zunächst merkwürdig klingen, er begann mit “O ach der Rote kam”. Wir vermuteten schon ein Hinweis auf einen Maran oder einen blutrünstigen Krieger, doch dann bemerkten wir den Fehler und erhielten den richtigen Text.
I: Wie hat Nedime uns dann eigentlich geholfen?
S: Sie verriet uns ein geheimes Zauberwort, mit dem wir das berühmte Parkett in der alten Magierschule in Tuzak öffnen konnten.
I: Aber die alte Schule wird doch jetzt von den Haffadjis bewohnt!
S: Ja, leider. Es war auch sehr gefährlich, doch Rurs Plan sah offenbar vor, dass die Freunde unentdeckt blieben. Vermutlich auch, weil sie sich größte Mühe gaben, nicht bemerkt zu werden. Pakinyasabs Lehre, dass die Schönheit viele Schichten habe, erfüllte sich im Wortsinne, als sich das Parkett zu einer Wendeltreppe hinabsenkte. In diesem geheimen Keller trafen wir Reojian den Unverwundbaren, den Wächter der Schatzkammer, in steinernem Schlaf. Als er erwachte, war er natürlich zunächst höchst erschrocken. Um so klarer war es für ihn jedoch auch, sich auf unsere Seite zu stellen und den Schatz zu offenbaren: Die Schiffsplanken.
I: In der Schatzkammer waren nur Schiffsplanken?
S: Ja, ich weiß auch nicht. Offenbar waren die anderen Schätze schon geborgen. Doch diese Planken sind ohne Zweifel ein zweifach schöner Schatz. Die magischen Schutzzeichen, die sie tragen, schützten uns in der blutigen See vor den Bedrohungen der Unbarmherzigen Ersäuferin.
I: Und deshalb konnten wir mit dem Schiff, das Dajin Weißer Parder getauft hat, nach Sinoda fahren.
S: Genau.