„Die Rittschaft zu Ehren Silberstreichs gibt sich nach Außen weltanschaulich neutral, bestenfalls diffus patriotisch, ist aber unübersehbar eng mit den Orunganern verbunden. Die genauen Bande sind schwer zu ermitteln, da die Knappen offenbar nur in einen kleinen Teil der Taten eingeweiht ist, die Ritter jedoch ausgesprochen vorsichtig und im Verborgenen agieren. Es bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft einigen der leichter zu observierenden Knappen der Aufstieg zum Ritter gelingt.“
- Primo R.C.: Tagebucheintrag
Im Unterschied zu den Rittern vom Heiligen Strohsack handelt es sich bei der Erleuchteten Rittschaft zu Ehren Silberstreichs tatsächlich um einen Bund aus Kämpferinnen und Kämpfern unterschiedlicher Coleur. Hier versammeln sich Fechterinnen, die ihre Kunst eher im Namen Hesindes als Rondras trainieren und nach technischer Perfektion und Eleganz streben, sowie Offiziere und Spezialisten moderner Kriegsführung wie Geschütz- oder Belagerungsmeister. Die Mitglieder debattieren über Kriegs- und Fechtkunst, werten die Turniere der Saison aus und diskutieren das neueste Duellreglement ebenso wie die Neuentwicklungen der Waffenschmiede. Zudem führen sie regelmäßig rituelle Kämpfe durch, die einerseits die Fertigkeit mit der Klinge trainieren sollen, aber ebenso, wenn nicht in höherem Maße, als geistige Übungen in Disziplin und Konzentration aufgefasst werden.
Die nominellen Ritter des Bundes, also die Mitglieder des vierten Grades und aufwärts, erfüllen gelegentlich geheime Missionen, deren Auftraggeber den Rittern unbekannt bleibt. Dabei handelt es sich um in der Regel pikante Aufträge, für die niemand anderes als ausgewiesene Spezialisten der Kampfkunst und strategischen Planung in Frage kommen. Die Auswahl des handelnden Ritters findet unter größter Verschwiegenheit in einem Hypogäum der Sotterranea Vinsalts statt und folgt der Zeremonie des Smaragds. Alles anwesenden Ritter ziehen blind einen Stein aus einem Beutel und verlassen den Ort der Zeremonie. Derjenige, der den Stein Rondras gezogen hat, nimmt sich der Mission an. Die Existenz solcher Missionen ist den Mitgliedern niedrigeren Grades nicht bekannt. Und die Prüfungen zum vierten Grad sind nicht nur so umfangreich wegen des bedeutenden Aufstiegs vom Knappen zum Ritter, sondern auch, weil die Eignung für ebensolche Aufträge festgestellt werden soll.
Die Rittschaft hat sich in den letzten Jahren im Verborgenen gebildet, tritt aber mittlerweile auch öffentlich auf. Zumindest die Knappen tragen offen die grünen Waffenröcke, geschmückt mit dem Lotoswappen der Orunganer, sowie den dreikantigen Scheibendolch mit runden Parier- und Knaufscheiben. Dennoch ist derzeit nur eine Ritterin namentlich bekannt, Fusca Lamea della Camerano-Tarcallo. Als Ritterin des Roten Drachen vertritt sie die Interessen der Rittschaft in der Öffentlichkeit. Sie geht dabei recht forsch vor, so dass manche vermuten sie sei gar die Großmeisterin der Rittschaft, die Hüterin des einsamen Sees. Andere sagen, sie wolle sich lediglich wichtig machen und bezweifeln sogar die Existenz weiterer Ritter.
Gründungs- und Zeremonialort der Rittschaft ist das Grab Khadans, des ersten Vinsalter Königs. Sein Vermächtnis vermeint die Rittschaft zu wahren. Als ihr Symbol haben sie demgemäß sein zyklopengeschmiedetes Schwert, Silberstreich, gewählt, mit dem er einst den Aarenstein spaltete. Das Grab liegt in der Totenstadt Borondella bei Vinsalt, wo sich auch zahlreiche andere Pilger finden, die den Herrschern Yaquiriens ihre Ehre erweisen.
Die Rittschaft pflegt eine intensive Feindschaft mit den Horasrittern.
Das Gradsystem kennt sechs Stufen:
1. Grad – Knappe zu Ehren Silberstreichs
2. Grad – Knappe des Schwures
3. Grad – Knappe des Schicksals
4. Grad – (Erleuchteter) Ritter des Roten Drachen
5. Grad – (Erleuchteter) Ritter des Aarensteins
6. Grad – (Erleuchteter) Hüter des einsamen Sees
Derzeit hat die Rittschaft etwa zwanzig Mitglieder, davon acht Ritter, die allesamt in Vinsalt leben. Neben den bereits erwähnten Persönlichkeiten verdienen noch der tatsächliche, unbekannte Großmeister der Rittschaft sowie Mondino Donocampe di Vistelli, Meisterschüler Essalio Fedorinos und Ritter des Aarensteins, besondere Erwähnung.
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